Trauer zeigt sich mit vielfältiger Symptomatik!

Die Symptome der Trauer

Wie sich Trauer im Körper äußert

Wenn ein Mensch einen geliebten Angehörigen oder Freund verliert, ist die darauffolgende Trauer eine natürliche Reaktion. Sie erfolgt auf verschiedenen Ebenen und berührt unter anderem die seelischen, kognitiven als auch affektiven Bereiche. Ebenfalls äußert sich die Trauer auch physisch. Dabei ist aus meiner Sicht das Ziel der Trauer immer die Überwindung der aktuellen Ausnahmesituation, gefolgt von Auseinandersetzungen mit den Ursachen und Folgen für die eigene Person. Hierzu gibt es verschiedene Trauerphasentheorien. Diese ordnen aktuelle Situationen und Symptome in gewisse Phasen der Trauer ein. Insbesondere Verena Kast, Yorick Spiegel, John Bowlby und Elisabeth Kübler-Ross seien hier zu nennen.

Diese nachfolgend genannten Symptome können, müssen aber nicht auf eine klinische Depression hinweisen. Gerade in der Trauer ist es ausgesprochen schwierig, zwischen einem normalen Trauerprozess und einer beginnenden Depression, zu unterscheiden. Vielfach entscheidet sich die weitere Entwicklung erst innerhalb des Trauerprozesses und hängt von vielen internen (Gefühle, Einstellung, psychische Verfassung etc.) und externen (Gesellschaft, Familie, finanzielle Situation, Religion, etc.) Einflussfaktoren ab.

 

Die emotionalen Symptome

Die Gefühle einer trauernden Person können sehr umfassend und intensiv sein. Viele fühlen sich hilflos, einsam und zurückgelassen. Auch ist Wut ein sehr häufiges emotionales Symptom. Schuldgefühle und ein schlechtes Gewissen können ebenfalls auftreten. Meist ist es jedoch die Angst der Hinterbliebenen, welche mit am stärksten ist. Denn viele fürchten sich vor der Einsamkeit und haben Angst alleine nicht bestehen zu können! Hierbei können unter anderem folgende Symptome sichtbar werden:

  • Oftmals gibt es starke Stimmungsschwankungen
  • Aggressionen gegen sich selbst, dem Verstorbenen oder dritten Personen gegenüber
  • Erleichterung über das Ende des Leidens
  • Emotionale Leere

 

Die körperlichen Symptome

Körperliche Symptome einer trauernden Person können vielfältig sein und Ärzte und Verwandte mitunter vor Problemen stellen. Denn man frägt sich: Sind diese Symptome der aktuellen psychischen Verfassung geschuldet oder gibt es für diese körperliche Ursachen? Häufig äußern sich die körperlichen Symptome in allgemein bekannten Formen, wie beispielsweise:

  • Schmerzen in verschiedenen Körperregionen
  • Herz-Kreislauf Erkrankungen
  • Gewichtsveränderungen
  • starrer Gesichtsausdruck
  • Verdauungsprobleme
  • mangelnde Sexualität
  • gebückte Haltung
  • mangelnder Appetit
  • Schlafprobleme
  • Atemprobleme
  • Mundtrockenheit

 

Auch ist der Körper während der Trauer aufgrund einer Ausnahmesituation für Erkrankungen und Beschwerden empfänglicher, was zu zusätzlichen Neuerkrankungen und Verschlechterungen bereits bestehender Erkrankungen führen kann. Aus diesen Gründen lässt sich festhalten, dass Trauer durchaus auch ernstzunehmende körperliche Auswirkungen haben kann und dies bei gesundheitlich angeschlagenen Personen berücksichtigt werden sollte.

 

Die kognitiven Symptome

Die kognitiven Symptome äußern sich insbesondere durch Wahrnehmungen, Halluzinationen und Veränderungen des Denkens. Es zeigt sich durch:

  • Nachdenken über die Todesumstände oder den Tod im Allgemeinen
  • Hinterfragen des Sinn des Lebens
  • Konzentrationsprobleme
  • „Gefühl“ der Anwesenheit der verstorbenen Person
  • Träume mit Bezug zu den Verstorbenen
  • Akustische und optische Wahrnehmung des Verstorbenen
  • Gedankenleere

 

Diese kognitiven Symptome sind häufig zu Beginn festzustellen und lassen meist nach einiger Zeit nach. Die Befürchtungen vieler Angehörigen dass dieser Zustand langfristig anhalten kann ist meist unbegründet.

 

Verhalten und patholgische Symptome

Verhaltensänderungen bei trauernden Personen sind normal und sollten zu Beginn nicht gleich mit Sorge betrachtet werden. Gerade in der Anfangszeit erreichen Außenstehende die Hinterbliebenen nicht und haben oftmals das Gefühl „gegen eine Wand zu reden“. Hierbei ist auch festzustellen, dass die Umgebung oftmals die Hinterbliebenen durch Aussagen unter Druck setzen. „Es muss weitergehen“ oder „er hätte nicht gewollt dass du so trauerst“ sind meist gut gemeinte Sätze von Angehörigen. Allerdings können diese eine Spirale von gegenseitigen Missverständnissen lostreten welche schwer wieder einzufangen sind.

Auch folgende Verhaltensweisen können auftreten:

  • häufiges oder kein Sprechen über die verstorbene Person
  • Feindseliges Verhalten und oder sozialer Rückzug
  • Erhöhter Konsum von Alkohol, Nikotin, Medikamenten, Genußmittel
  • Suchverhalten (aufsuchen von bedeutenden Orten, übernehmen der Interessen der verstorbenen Person)
  • überaktives Verhalten
  • Weinen und Schreien

 

Die pathologische Trauer äußert sich durch besonders lang anhaltende oder intensive Trauer. Meist ist der Trauernde in einem Trauerprozess gefangen oder er fällt in einen vorherigen zurück. Auch bei einer verzögerten oder übertriebenen Trauerreaktion kann professionelle Hilfe Sinn machen. Auch folgende Situationen können Anhaltspunkte für eine komplizierte Trauerverarbeitung sein:

  • Mumifizierung des Umfeldes des Verstorbenen (alles soll bleiben, wie es ist)
  • Vermeidungsverhalten von bestimmten Situationen/Tätigkeiten (PBS)
  • Langfristiges zurückziehen und isolieren von der Umgebung
  • Langfristig verstärkter Konsum von Alkohol, Nikotin, Genußmittel
  • Krankhafte Angst und starke Schuldgefühle
  • Suizidale Gedanken
  • Äußern nach Hilfe

 

Wo finde ich Hilfe?

Angehörige sowie trauernde Menschen können in Deutschland bei vielen Einrichtungen Informationen finden. Es kommt immer auf die Wünsche der Hilfe suchenden Person an. Manche benötigen eine anonyme Umgebung und nutzen die Telefonseelsorge, andere wiederum wünschen eine professionelle Therapie. Vielen hilft auch der Kontakt zu Mitmenschen mit ähnlichen Schicksalsschlägen. Letztlich kommt es nicht auf das „wie an“, wichtiger ist dass es eine passende Anlaufstelle für die suchende Person gibt. Erfahren Sie welche Einrichtungen es in Deutschland gibt: