Die korrekte Abrechnung einer Leichenschau

Die korrekte Abrechnung einer Leichenschau

Die Abrechnung der Leichenschau

In Deutschland verstarben laut Statistik im Jahr 2015 insgesamt 925.200 Personen. Hiervon waren 833.000 Menschen in der gesetzlichen Krankenversicherung und 92.200 Personen privat versichert. Für all diese Menschen wurden Ärzte benötigt, welche den Sterbefall feststellen. Hierbei gab es bei der Abrechnung dieser Leistungen immer wieder Probleme. Vielen Menschen ist unklar, welche Positionen zulässig sind und so steht man oftmals etwas ratlos vor der Arztrechnung.

Daher möchte ich Ihnen einen detaillierten Einblick in den Ablauf geben, sodass Sie selbst die Richtigkeit der vom Arzt erstellten Rechnung am Ende des Artikels überprüfen können.

Die Durchführung der Leichenschau

Wenn ein Mensch verstirbt, muss ein Arzt hinzugezogen werden, welcher die Leichenschau durchführt. Grundsätzlich ist jeder Arzt verpflichtet diese Untersuchung durchzuführen. Jedoch gibt es zwei Einschränkungen.
Behandlungspriorität

Ein Arzt muss wegen eines eingetretenen Sterbefalles die Behandlung noch lebender Patienten nicht unterbrechen. Daher kommen die Ärzte meist zur Mittagszeit oder abends, wenn die Praxis geschlossen ist.
Notärzte

Notärzte sollen durch eine Leichenschau nicht von der Rettung noch lebender Menschen abgehalten werden. Daher besteht für diese Ärzte die Möglichkeit eine vorläufige Todesbescheinigung auszustellen. Ein Arzt muss dann später die vollständige Untersuchung vornehmen und eine endgültige Todesbescheinigung ausstellen.

Die ausgefüllte Todesbescheinigung ist eine Urkunde und verbleibt bei der verstorbenen Person. Die Formulare werden für das Standesamt, Gesundheitsamt, zur Feuerbestattung oder zur Obduktion benötigt. Ebenfalls erhält der Friedhof eine Ausfertigung.

Die Gebührenordnung für Ärzte

selbstverständlich ein Vergütungsanspruch, welcher in Deutschland nach der Gebührenordnung für Ärzte abgerechnet wird. Diese besteht seit 1965 und regelt die Abrechnung der ärztlichen Leistungen außerhalb der vertragsärztlichen Versorgung. Dies bedeutet, dass sowohl Privatpatienten, nicht versicherte Patienten als auch gesetzlich versicherte Personen, welche individuelle Gesundheitsleistungen erhalten möchten, nach der GOÄ eine Rechnung erhalten.

Da die Kostenübernahme für die Todesfeststellung nicht zu den Aufgaben der gesetzlichen Krankenkassen gehört ist diese Leistung immer eine privatärztliche Leistung.
Die Gebührenpositionen der Leichenschau

In der aktuellen Situation werden viele Gebührenpositionen erwähnt, durcheinandergebracht oder vermischt. Daher werde ich diese nun in drei Positionen einteilen und detailliert erklären:

Zulässige Positionen
-Position 100
-Wegegeld nach §8
-Tatsächlich entstandene Kosten eines Formulars nach §10
-Gebührenrahmen nach §5 (Faktor 1,0-2,3)

Teils zulässige Positionen
-Faktor 3,5 für schwere Fälle mit entsprechender Begründung
-Position 50 kann mit den entsprechenden Zuschlägen B-V berechnet werden, wenn der Arzt zu einer noch lebenden Person gerufen wurde. Hier kann bei gesetzlich versicherten Personen der Arzt über die Krankenkasse einen EBM-Besuch abrechnen
-Positionen 102,104,105,107 sind zulässig, wenn diese durch den noch lebenden Patienten oder den Angehörigen gewünscht wurden oder diese nach landesrechtlichen Vorschriften vorzunehmen sind.

Nicht zulässige Positionen
-Zuschläge nach den Abschnitten B-II und B-V
-Ausstellen einer Bescheinigung nach Position 75
-Position 4 ist nicht berechenbar, da Position 100 diese Leistung beinhaltet.
-Verweilgebühren nach Positionen 56 sind nicht berechenbar
-Positionen, welche nicht in der GOÄ vorhanden sind, können nicht berechnet werden. Nach §2 Abs. 1 Satz 1 GOÄ kann nur eine andere Gebührenhöhe durch eine Vereinbarung festgelegt werden.

Möglichkeiten der Überprüfung

Falls Sie sich unsicher sind, ob die erhaltene Rechnung ordnungsgemäß erstellt wurde können Sie diese durch die zuständige Landesärztekammer prüfen lassen. Diese haben als Körperschaft des öffentlichen Rechts die Aufgabe der Überwachung der Einhaltung der Berufspflichten eines Arztes. Hierzu gehört auch die korrekte Liquidation der privatärztlichen Leistung. Krankenkassen haben nicht die Befugnis solche Rechnungen zu kontrollieren.

Meinung von Sebastian Götz

Die Möglichkeiten der Abrechnung einer Leichenschau sind begrenzt und an die Gebührenordnung für Ärzte gebunden. Die nichtzulässigen Positionen können nicht berechnet werden und sollten, falls doch berechnet, mit dem entsprechenden Arzt besprochen werden. Die hauptsächliche Kritik der Ärzte an der aktuellen Situation bezieht sich auf die seit Jahren nicht angepasste Gebührenordnung. Es ist für mich verständlich, dass ein Arzt für seine Leistung auch dementsprechend vergütet werden möchte. Allerdings muss dies dann offiziell über eine Aktualisierung der GOÄ stattfinden und nicht durch das Hinzufügen von nichtzulässigen Positionen.

Dies ist aus meiner Sicht der falsche Weg denn dieser führt letztlich zu Spannungen zwischen Angehörigen und Ärzten. Gerade hier ist ein sehr gutes Vertrauensverhältnis absolut unverzichtbar. Daher hoffe ich, dass die Verhandlungen zwischen der Bundesärztekammer und dem Verband der privaten Krankenversicherungen zügig abgeschlossen werden und eine Einigung erzielt wird.

Quellenangabe

Mitteilung Bundesärztekammer Jg. 98, Heft 25, 22.06.2001
Kommentar zur GOÄ, 3. Auflage, Band 1, Stand 01.11.2014
Bundesregierung, Drucksache 18/9408
Gebührenordnung für Ärzte

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