Auch Bestattungshäuser können in Zahlungsschwierigkeiten kommen

Das Firmenrisiko Insolvenz

Ein unwahrscheinliches Szenario?

Viele Unternehmer bemühen sich in der Start-up Phase und entwerfen Business-Pläne, sorgen für ausreichende liquide Mittel und arbeiten meist weit über die für Angestellte Mitarbeiter geltenden Höchstarbeitszeiten. Viele schaffen es diese schwierige Zeit zu durchbrechen und etablieren ein Bestattungshaus am Markt. Viele Jahre wirft dieses auch für den Inhaber eine akzeptable Rendite ab.

Doch wie so oft in der Zeit etabliert sich ein neues Unternehmen am Markt und die Umsatzzahlen brechen daraufhin ein oder die stetig steigenden Lohnkosten kennen keine Grenzen mehr. Eventuell sind auch zu hohe Privatentnahmen schuld daran oder ein Gebäudeschaden ist mangels passender Versicherung nicht mehr nutzbar und kann aufgrund fehlender Mittel nicht mehr renoviert werden mit der Folge, dass die Wertschöpfung des Unternehmens daraufhin stillsteht. Selbstverständlich gibt es viele weitere Szenarien für eine Unternehmenskrise. Auch ein Ausfall des Firmeneigentümers durch Krankheit kann in einem kleinen Bestattungsunternehmen das Haus schnell in Schieflage bringen und ein Unternehmen in eine Insolvenz führen.

 

Wie kann ich eine Krise erkennen?

Eine Krise entwickelt sich nur selten von heute auf Morgen. Dies ist meist nur bei Schadensfällen wie Brand oder beim Verlust von wichtigem Personal der Fall. Meist baut die Unternehmenskrise jedoch auf einem längeren Prozess auf, welcher mit einer Strategiekrise beginnt.

Denn auf dem heutigen Markt finden ständig Veränderungen statt auf diese ein Unternehmer reagieren muss. Tut er dies nicht, können mit dieser Reaktion die Erfolgsfaktoren des Unternehmens gefährdet werden. Durch diese sinkenden Umsatzerlöse verringern sich die Einnahmen. Meist wird dann durch vermehrte Marketing-Aktivitäten versucht gegenzusteuern, was parallel die Ausgaben erst einmal ansteigen lässt. Hierdurch sinkt zwangsläufig das Eigenkapital des Unternehmens (Einnahmen<Ausgaben).

Nun muss der Unternehmer die Liquidität durch Fremdfinanzierungen sichern, welche wiederum die Kreditlinien überschreiten können. Jede Bank und jeder Kreditgeber wird daraufhin erst einmal die Kreditrestriktionen verändern und weitere Sicherheiten oder ein Sanierungsgutachten (IDW S6) verlangen. Wie unschwer zu erkennen hat sich eine kleine Krise schnell durch eine Spirale in eine Insolvenzgefahr verwandelt.

 

Symptome einer Krise:

  • fehlende Unternehmensstrategie
  • Verlust von Marktanteilen
  • mangelndes Eigenkapital
  • Zunahme von Reklamationen
  • Schlechte Beschaffungskonditionen
  • Kein Ausnutzen von Skonti
  • Lohnzahlungen bleiben aus
  • Sinkende Kreditlinien
  • sinkende Rentabilität
  • Hohe Außenstände
  • uvw.

 

Was kann ich in einer Krise tun?

Der erste Schritt ist das erkennen und akzeptieren der Situation. Es bringt nichts den Kopf in den Sand zu stecken. Als Erstes muss man sich einen Blick über die aktuelle Lage verschaffen. Ziehen Sie hierzu nicht Ihr Bauchgefühl heran. Nutzen Sie quantitative Faktoren wie Umsatzzahlen, offene Positionen, Zahlungseingänge, etc. Hierbei können Sie einen ersten sachlichen Blick auf die Unternehmenslage richten. Nun kommt es insbesondere auch auf das aktuelle Stadium der Krise an. Meist finden folgende „Standard“-Maßnahmen statt:

  • Einnahmen steigern
  • Kosten senken
  • Außenstände eintreiben
  • Einlagen erhöhen oder weiteren Kreditgeber finden
  • Kredittilgung anpassen

 

Als ob die Unternehmenskrise nicht schon schlimm genug wäre, dürfen Sie auch einige Straftatbestände nicht außer Acht lassen:

  1. Betrug nach § 263 StGB (Verschweigen einer Krisensituation gegenüber Gläubigern)
  2. Untreue nach § 266a StGB (Einbehalten von Lohnsteuer, Sozialbeiträgen)
  3. Untreue nach § 266 StGB (Rückzahlung von Gesellschaftsdarlehen)
  4. Insolvenzantragspflicht bei juristischen Personen nach § 15a InsO
  5. Sittenwidrige Schädigung durch Insolvenzverschleppung nach § 826 BGB
  6. auch immer wichtiger sin die § 30 ff. GmbHG

 

Merke:

Es macht durchaus Sinn sich professionelle Hilfe zu suchen. Erstens ist ein fremder Blick häufig sehr hilfreich, ein Berater kann Ihnen viele Tipps und Tricks nennen und zweitens setzen dies Ihre Kreditgeber für weitere Unterstützungen meist voraus. Denn kein Geldgeber investiert in ein unrentables und bankrottes Unternehmen.

 

Tipps von Sebastian Götz

  • Schaffen Sie vertrauen und verschweigen Sie keine wichtigen Tatsachen.
  • Schätzen Sie die Zukunft realistisch ein.
  • Informieren Sie Ihre Bank frühestmöglich.
  • Schränken Sie in Krisenzeiten Ihren Privatkonsum ein und verringern Sie Privatentnahmen.
  • Sprechen Sie vor dem überziehen Ihrer Kreditlinie mit Ihrer Bank.
  • Treten Sie niemals Forderungen doppelt ab!
  • Führen Sie für Außenstände ein Forderungsmanagement ein.