Die Erdbestattung

Die Erdbestattung

Tradition und Glauben auf dem Prüfstand

Historische Entwicklung

Die Erdbestattung ist eine der ältesten Bestattungsformen der Welt. Ausgewertete Aufzeichnungen reichen bis mehr als 10.000 Jahre v. Chr. zurück.

Zu Beginn dieser Zeit wurden die verstorbenen Personen in Mooren und Sümpfen versenkt. Des Weiteren kamen auch die Mumifizierung und das Versenken des Leichnams im Wasser zur Anwendung.

Ca. 4.000-1.800 v. Chr. entwickelte sich erstmals die Erdbestattung in Form der Großsteingräber.

1.000 v. Chr. bis ca. Chr. Geburt bestatteten die Kelten ihre Angehörigen in großen Hügelgräbern. Danach entwickelten sich langsam Friedhofsplätze (häufig vor Kirchen und an Stadträndern). Damals übernahmen die Kirchen die Beisetzung. Erst im 18. Jahrhundert übernahmen die Kommunen diese Arbeiten.

Heutzutage gehört die Erdbestattung neben der Feuerbestattung zu den am meisten gewählten Bestattungsarten. Da jedoch aufgrund der geringeren Kosten, der steigenden Anzahl an Atheisten sowie der steigenden „Anonymität“ unserer Gesellschaft die Feuerbestattung immer häufiger wird, muss die Erdbestattung um ihren führenden Platz als am meisten gewählte Bestattungsart bangen.

Hinzu kommen moderne Bestattungsarten wie die Waldbestattung, Seebestattung, Wiesenbestattung usw. Da für diese Bestattungsarten allesamt die Feuerbestattung Grundvoraussetzung ist, trägt dies entscheidend zu einer steigenden Zahl an Feuerbestattungen bei.

Gesetzliche Regelungen

In der Bundesrepublik Deutschland bestimmen das Bestattungsrecht (öffentliches Recht) und die kommunalen Satzungen (Friedhofsrecht) die ordnungsgemäße Beisetzung eines Verstorbenen. Sie wird durch Landesgesetze geregelt, was bedeutet, dass es keine bundeseinheitlichen Regelungen und Gesetze gibt. Aus diesen rechtlich bindenden Regelungen entstehen schließlich die Friedhofsordnungen der jeweiligen Kommunen. Aufgrund der Tatsache, dass das Bestattungsrecht Ländersache ist, gibt es von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche Gesetze, die sich zwar meist ähneln, aber nicht immer vergleichbar sind. Dies kann oft zu einem größeren formellen Aufwand führen, wenn eine verstorbene Person in ein anderes Bundesland oder gar ins Ausland überführt werden soll.

Wahl des richtigen Grabes

Um sich für das richtige Grab zu entscheiden, sollte man sich fragen, was man sich wünscht oder der Verstorbene sich gewünscht hätte und welche finanziellen Mittel zur Verfügung stehen. Meiner Meinung nach ist weniger manchmal mehr. Es bringt sicherlich wenig, wenn man sich ein teuer gepachtetes Einzelgrab zu leisten vermag und wenn man dafür Monate oder sogar Jahre abbezahlen muss. Auch ein Reihengrab ist ein Grab wie jedes andere. Denn ein Reihengrab kann man oft durch eine schöne Bepflanzung wieder aufwerten.

Das Reihengrab

Ein Reihengrab ist wie ein Wahlgrab ebenfalls ein Einzelgrab. Der Unterschied ist jedoch, dass man sich bei einem Reihengrab die Grablage nicht selbst aussuchen kann.

Wichtiger ist jedoch, dass nach Ablauf der Pacht das Grabnutzungsrecht erlischt und dieses nicht verlängert werden kann. Dies bedeutet, dass die Liegezeit des Verstorbenen (meist ca. 30 Jahre) nach Ablauf der Frist nicht verlängert werden kann und das Grab eingeebnet wird.

Das Wahlgrab/Familiengrab

Das Wahlgrab kann, wie der Name bereits andeutet, an einer bestimmten Stelle des Friedhofes gepachtet werden. Des Weiteren können auch ein Doppelgrab und unter Umständen sogar größere Grabflächen gepachtet werden. Nach Ablauf der Ruhezeit kann das Grabnutzungsrecht meist verlängert werden. Auf dieser Grabstätte kann dann auch eine Folgebestattung stattfinden.

Manchmal ist auch eine nachträgliche Bestattung einer Urne zusätzlich in einem Wahlgrab möglich. Bitte beachten Sie jedoch, dass nur die Reihenfolge

  1. Erdbestattung
  2. Urnenbeisetzung

aufgrund der Totenruhe möglich ist. Manche Kommunen machen hiervon jedoch Ausnahmen.

Die Gruft/Das Mausoleum

Die Gruft ist ein unter- oder oberirdischer Raum, in dem die Verstorbenen beigesetzt werden. Oft wird eine Art Familiengruft angelegt, in der über Jahrhunderte hinweg Familienangehörige beigesetzt wurden. Dies ist verständlicherweise aufgrund der immensen Kosten eine heutzutage eher seltene Art der Beisetzung.

Das Mausoleum setzt sich insofern von einer Gruft ab, als es ein Grabmal in Gebäudeform ist. In diesen Gräbern sind häufig Könige, sehr reiche Menschen und hohe Würdenträger beigesetzt.

Bitte beachten Sie, dass dies nur allgemeine Ratschläge sind. Die genauen Verordnungen unterscheiden sich oft von Friedhof zu Friedhof.

Wahl des Sarges & Co.

Sargmodell

Wie auch bei vielen anderen Dingen im Leben ist die Wahl des Sargmodells eine Wahl des persönlichen Geschmacks. Kiefer, Eiche oder Pappel: Je nach Holzart und Verarbeitung des Sarges schwankt der Preis immens. Zwischen ca. 600 Euro und bis zu mehreren Tausend für einen Sarg sind möglich und müssen eingeplant werden. Selbstverständlich ist die Grenze nach oben hin offen.

Mittlerweile gibt es auch z. B. ein Sargmodell, das mit Svarowski-Steinchen besetzt ist, oder einen Sarg, der aus Aluminium besteht.

Deckengarnitur

Unter einer Deckengarnitur versteht man das Kopfkissen sowie die Decke, mit der die verstorbene Person bedeckt wird. Diese sind farblich meist in Weiß, Beige, Silber oder Gold gehalten und unterscheiden sich nur durch das Design.

Meine persönliche Empfehlung ist eine weiße Deckengarnitur für Männer sowie eine goldfarbene Deckengarnitur für Frauen. Da dies jedoch reine Geschmackssache ist, stellt meine Meinung dazu natürlich nur eine persönliche Empfehlung dar.

Talar oder eigene Kleidung

Kein anderes Thema beschäftigt mich so sehr wie dieses. Oft bekomme ich von Dritten geschrieben, dass ein Bestatter sagen würde, dass eigene Kleidung nicht möglich wäre oder sie sogar verboten sei. Grundsätzlich ist bei einer Erdbestattung eigene Kleidung immer möglich (außer es besteht eine Infektionsgefahr). Selbst bei einer Feuerbestattung sind die heutigen Krematorien mit modernen Filtersystemen ausgestattet, sodass auch hier nicht zwingend verbietende Gründe zugrunde liegen.

Meist ist es jedoch die Bequemlichkeit, denn ein Talar ist schnell angezogen und bereitet keine großen Umstände. Bei eigener Kleidung benötigt man mehr Zeit, um die Person herzurichten.

Deshalb nochmals der Hinweis, lassen Sie sich, falls der Bestatter sagt, es wäre nicht möglich, die genauen Gründe nennen. Falls Sie Zweifel haben, fragen Sie einen anderen Bestatter in der Umgebung oder fragen Sie bei der Kommune nach. Eigene Kleidung ist ein Teil des Menschen und ihr sollte deshalb immer dem Talar der Vorzug gegeben werden! Auch wenn ein Talar oft empfohlen wird.

Tipps von Sebastian Götz

– Viele Angehörige möchten persönliche Erinnerungsstücke dem Verstorbenen beigeben, z. B. Bilder, CDs, Blumen oder Briefe. Oftmals ist dies möglich. Geben Sie die Sachen dem Bestatter Ihres Vertrauens bei der Abholung oder dem nachfolgenden Beratungsgespräch mit.

– Oft bemerke ich, dass Angehörige nur die „halbe“ Kleidung abgeben. Manchmal wird von dem Bestatter auch mitgeteilt, dass persönliche Kleidung nicht erlaubt sei … Selbstverständlich kann ein Verstorbener meist komplett angekleidet werden (siehe oben), inklusive Schuhe etc.

– Legen Sie die Abschiednahme am offenen Sarg einen Tag vor die Beerdigung. Für viele ist die offene Abschiednahme und die direkt darauffolgende Beerdigung eine zu große Last. Durch die terminliche Trennung dieser zwei berührenden Ereignisse haben Angehörige etwas Zeit, ihre vielen Gefühle zu ordnen.